Johann Ernst von Alvensleben – Wikipedia

Johann August Ernst Graf von Alvensleben

Johann August Ernst Graf von Alvensleben (* 6. August 1758 in Erxleben; † 27. September 1827 ebenda) war ein deutscher Staatsmann.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er entstammte der niederdeutschen Adelsfamilie von Alvensleben und war der einzige Sohn des Kurhannoverschen Oberstleutnants und Erbherrn auf Erxleben II Joachim IV. von Alvensleben (1720–1782) und der Sophia Louise Ernestine von Platen (1733–1799) aus Demerthin, Tochter des königlich preußischen Geheimen Rates und Domherr zu Magdeburg Nikolaus Ernst von Platen (1693–1733), und heiratete am 8. Juli 1788 Caroline von Rohr (1771–1816), Tochter des Königlich Preußischen Generalmajors Albrecht Ehrentreich von Rohr. Aus der Ehe gingen dreizehn Kinder hervor, unter ihnen der spätere preußische Finanzminister Graf Albrecht von Alvensleben (1794–1858). Nach seinem Tode 1827 wurde er in der Schlosskapelle in Erxleben beigesetzt.

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alvensleben studierte an der Universität Helmstedt ab 1775 Jurisprudenz und Staatswissenschaften. Von 1781 bis 1784 arbeitete er als Referendar bei der Magdeburgischen Kammer und verwaltete anschließend die Familiengüter Erxleben II und Uhrsleben. 1788 übernahm er eine Domherrenstelle in Halberstadt und verlegte seinen Wohnsitz dorthin. Als Kenner und Freund von Kunst und Wissenschaft förderte er die Halberstädter Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Klamer Eberhard Karl Schmidt. Von 1793 bis 1796 gehörter er der Kommission an, die das Märkische Provinzialgesetzbuch erarbeitete. 1796 wurde er als Nachfolger des Grafen Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode zum Domdechanten gewählt. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erhob ihn 1798 in den erblichen Grafenstand.

Als Deputierter des Halberstädter Domkapitels ging Alvensleben nach dem Frieden von Tilsit von 1807 nach Paris, um Jérôme Bonaparte, Herrscher des vier Jahre zuvor geschaffenen Königreiches Westphalen, zu beglückwünschen. Von 1808 und 1813 war er Mitglied der Reichsstände des Königreichs Westphalen; in dieser Funktion nahm er 1808 an der Huldigung des Königs auf dem Reichstag in Kassel teil sowie an den Sitzungen des Reichstages von 1810. Nachdem Bonaparte im selben Jahr das Domkapitel aufgelöst hatte, zog er sich auf sein Gut Erxleben zurück.

Nach Wiederherstellung der preußischen Herrschaft verlieh ihm König Friedrich Wilhelm III. für seine Verdienste während der französischen Besetzungszeit den roten Adlerorden erster Klasse und berief ihn in den Johanniterorden.

Minister in Braunschweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Herzog Friedrich Wilhelms von Braunschweig 1815 hatte der englische Prinzregent Georg die Vormundschaft über die unmündigen Söhne des Herzogs erhalten. An der Spitze der vormundschaftlichen Regierung stand als Staatsminister Graf Gebhard von der Schulenburg-Wolfsburg, der am 25. Dezember 1818 starb. Dessen Nachfolger wurde Graf Alvensleben, der 1820 mit Zustimmung seines Landesherrn, des preußischen Königs, zum Staatsminister berufen wurde. Am 30. Oktober 1823 übernahm der ihm nicht gut gesinnte Erbprinz Karl II. die Regierungsgeschäfte im Herzogtum Braunschweig, woraufhin Alvensleben zurücktrat und auf sein Gut Erxleben zurückging. Er erhielt das Großkreuz des Welfenordens, lehnte aber eine ihm angebotene Pension ab.

Der preußische König ernannte ihn 1824 zum Landtagsmarschall für die Mark Brandenburg und die Niederlausitz und zum Mitglied des Staatsrates.

Johann Ernst von Alvensleben war Freimaurer in der Freimaurerloge Ferdinand zur Glückseligkeit in Magdeburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • N. N.: Biographie Johann August Ernst Graf von Alvensleben. In: Der Harz-Bothe, Band 1 Halberstadt 1827, S. 67–80.
  • Neuer Nekrolog der Deutschen. Fünfter Jahrgang, 1827, Zweiter Theil, Ilmenau 1829, S. 846–852.
  • Udo von Alvensleben-Wittenmoor: Die letzten fünf Generationen der Alvensleben in Erxleben II – 1782–1945 (verfasst 1959). Herausgegeben von der Familie von Alvensleben e. V., Falkenberg August 2008, 44 S.
  • Guido Heinrich: Alvensleben, Johann Ernst von. In: Guido Heinrich, Gunter Schandera (Hrsg.): Magdeburger Biographisches Lexikon 19. und 20. Jahrhundert. Biographisches Lexikon für die Landeshauptstadt Magdeburg und die Landkreise Bördekreis, Jerichower Land, Ohrekreis und Schönebeck. Scriptum, Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1, S. 9–fh10.
  • Jochen Lengemann: Biographisches Handbuch der Reichsstände des Königreichs Westphalen und der Ständeversammlung des Großherzogtums Frankfurt. Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-458-16185-6, S. 111–112.
  • Christof Römer: Alvensleben, Johann August Ernst Graf von. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon – 19. und 20. Jahrhundert. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 26.
  • Ferdinand Spehr: Alvensleben, Johann August Ernst Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 377 f.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Dritter Theil, Berlin 1829, S. 389–393.
  • Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 53.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]